26 Februar 2008

Kick-Back-Leiden

"Leiden entsteht durch das Streben nach Haben und Sein." (sagte Buddha).
Kick-Backs sind in diesem Zusammenhang ein ganz klarer Fall von "Streben
nach Haben".
Die Leidenslitanei (mit vielen Links und Artikeln zum Thema) gibt es
hier: http://www.finanzuni.org/phpBB/viewtopic.php?p=1466#1466 )


13 Februar 2008

Spendenquittung statt Ausstellungshonorar?

Aus einem Email an meine Kollegen bei www.kunstpavillon.org

Ich habe diese Woche eine... naja, etwas ungewöhnliche Idee entwickelt. Als Verein (Kunstpavillon) könnten wir doch eigentlich den Künstlern, die bei uns aussstellen, - wenn wir ihnen schon kein Ausstellungshonorar zahlen (können!), - doch wenigstens eine Spendenquittung ausstellen - und sie geben uns dafür eine Proforma-Rechnung....

... also ein Nullsummenspiel... das uns kein Geld kostet!!

Bei einem Versicherungswert von 70.000 Euro je Ausstellung wäre lt. Verdi Honorartabelle 1.700 Euro fällig - also 850 pro Nase (bei 2 Künstlern). Eine Spendenquittung wäre insofern nützlich, als dass die Künstler sie bei ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen können - und so weniger EKSteuer zahlen. Ausserdem wäre es ein offizielles Anerkenntis ihrer Leistung, ein Anerkennen, dass sie wirklich "ihr Honorar wert sind" - und wir ihre Spende an uns dankend anerkennen.

Das alles passiert momentan nämlich nicht. Die Künstler sind halt irgendwelche... "Mieter"

Wenn wir das auf die Reihe brächten, wäre das echt ein wegweisendes politisches Signal für Künstler & Honorarforderungen...


11 Februar 2008

... und der Karren Kultur II...

mehr Korrespondenz im selben Verteiler (11.02.08):

Liebe KollegInnen,

Danke für euer Feedback.

W.: "Deine Haltung: Da mach ich nicht mit! wird als solche nicht wahrgenommen" - ja, das stimmt, aber zumindest schont es meinen Geldbeutel. Ich hatte kürzlich so einen Fall, Ausstellung mit Versteigerung für Amnesty International. Ja, schöne Sache, aber irgendwann im Rahmen der Projektvorbereitung erfuhr ich von der organisierenden Kollegin, dass die ausgestellten Arbeiten zugunsten von ai versteigert würden - 50 % für ai, 50 % für mich. (War bisher nicht die Rede davon gewesen.) Ich... signalisierte mein Missfallen... wir lösten es diplomatisch, dass sich "die Jury für jemand anderen entschieden hätte." Gott-sei-Dank, denn:

Geht's noch? Warum lädt denn - im selben Raubritterstil - nicht der Fabrikbesitzer XY ein, dass ich in seiner Monatagehalle schufte, und zwar zu einem Stundenlohn, den er sich überlegt (sagenwirmal 4 Euro), und davon gehen 50 % an ai, und 50 % an mich... Genau das ist nämlich das Resultat von solchen "Aktionen für einen guten Zweck": die Kunstsammler bekommen Kunstwerke wirklich billig - zum selbstbestimmten Preis sozusagen, denn das Angebot übersteigt meist die Nachfrage - und fühlen sich dann auch noch großartig, denn er unterstützt ja auch noch einen gemeinnützige Organisation.

Aber wer zahlt eigentlich die Zeche? Wir Künstler.

Ich habe also nicht mitgemacht. Eine befreundete Kollegin (die es prestigemässig wirklich nicht nötig hätte, sich aber breitschlagen ließ) meinte resigniert: außer Spesen nix gewesen, im Klartext also draufgezahlt.

Ich spende also lieber direkt 100 Euro per Überweisung an ai, da habe ich weniger Action - und im Vergleich zur Versteigerungsgeschichte auch noch Geld gespart (Transport, Zeitaufwand, v. a. aber: MEINE KUNSTWERKE!!!). Eine Spendenquittung gibt?s obendrein. Und zwar AUF MEINEN NAMEN :-)).


Anyway, ja, Wolfram, hast recht. Keiner wird?s groß merken, wenn ich nicht mitmache. Aber im o. g. Fall war's mir auch wurscht. Hat mir Denkanstöße gegeben.

Ansonsten machen manche Ausstellungen ja auch Spaß, da mache ich gerne mit. Und leider, de facto, ist oft wirklich keine Kohle da. Kulturetats sind knapp und werden weiter gekürzt, wenn man wirklich den "Schuldigen" sucht, sind's... Politiker... die wir wieder selber wählen...

Vielleicht sollten wir das Ganze mal GANZ ANDERS anpacken... eine Alternative, die kein Geld kostet (aber ein wenig Hirnschmalz und Aufwand) aber ansehensmässig viel bringt: es gibt doch jetzt diese steuerrechtliche Neuregelung um gemeinnützige Arbeit zu fördern.

Lass uns Künstler doch unseren Aufwand für Kunst im öffentlichen Raum (öffentlich, den Bürgern frei zugängliche Kunst) Proforma-Rechnungen stellen und uns diese dann von den Veranstaltern (die ja oft gemeinnützige Vereine sind) als Spende quittieren.

Das Problem ist nämlich (auch), dass viele Künstler sich als Bittsteller verstehen - um Förderung bitten, um Honorare betteln - und sie doch nie bekommen, weil, s. oben, viele Kulturkassen wirklich leer sind.

De facto leisten wir aber sehr wohl einen Beitrag zum Gemeinwohl - wir Künstler sind sehr, sehr oft die Sponsoren öffentlich zugänglicher, zeitgenössischer Kunst. DESSEN MÜSSEN WIR UNS BEWUSST WERDEN - und so eine Spenden-Proforma-Rechnungen wäre doch ein guter Weg. Da stünde nämlich schwarz auf weiß, wie viel Leistung wir fürs Gemeinwohl erbracht haben - und gespendet.

Tatsächlich machen wir das ja die ganze Zeit schon, nur nimmt niemand Notiz, meist noch nicht einmal wir selbst.

Ums noch plakativer zu machen: Es ist so ähnlich, wie dass bei Müttern irgendwann auch "Erziehungszeiten" bei der Rente angerechnet wurden (da gab es einen Stichtag, eine Bundestagsentscheidung etc.). Da hat ein Bewusstseinswandel stattgefunden: dass die was tun, kein Geld kriegen, aber dass das sehr wichtig für unsere Gesellschaft ist.

So einen Bewusstseinswandel pro Anerkennung künstlerischer Arbeit brauchen wir.

Viele Grüße,
Karin


05 Februar 2008

"Bewegter Wind 2008" und der Karren Kultur...

aus einem Brief an Künstlerkollegen vom 5. Februar 08

Liebe KollegInnen,

ich habe mir in den letzen Monaten im stillen Kämmerlein recht ausführlich Gedanken gemacht zur Situation der Künstler in unserer Wirtschaftswelt. Eure Debatten um "Bewegten Wind" verfolgte ich mit Interesse. Mein persönliches Fazit zu letzterem ist: einfach ignorieren. Wenn professionelle Künstler solche Wettbewerbe ignorieren, wer reicht dann ein? Malende Hausfrauen, die sich mit einem Glas Prosecco in der Hand daran aufgeilen, auch endlich mal eine Vernissage zu haben?

Es sei ihnen vergönnt. Und die Ausschreiber.. na ja, wenn sie meinen, dass sie sich mit Amateurkunst einen prestigeträchtigen Gefallen tun... bitteschön.

Die Frage für mich ist tatsächlich, warum lassen sich Künstler immer wieder auf solche Deals ein?

Wir Künstler gelten zwar als Unternehmer, nur handeln die meisten nicht wirklich mit kühlem Kopf. Anders als andere unternehmerische Tätigkeiten verquicken sich beim Künstlertum Ware und Selbstwert auf eigentümliche Weise: der Markterfolg wird immer auch als persönlicher Erfolg gewertet und soll die tiefe Sehnsucht nach Geliebt-Sein zu stillen. Scheitern bedeutet die über jede Unternehmenspleite hinaus: persönliche Niederlage... Die Achillesferse des Konstruktes ist die Therapiefunktion, die Kunst für so manchen Künstler hat: er will geliebt werden, und dieses Versprechen von Aufmerksamkeit ist die Mohrrübe, mit der der Karren der "Kultur" für die Nutznießer kostenfrei durch die Lande gezogen wird. (teilweise zitiert aus meinem Text: http://www.soika.com/links/archiv/texte/08d_wasistkunst.htm )

Es gab mal eine wichtigen Wendepunkt in der Kunstgeschichte: die Abkehr der Künstler von ihren Auftraggebern: der Kirche, den Fürsten etc. Was ist davon geblieben? Wenn ich mich beim Arbeiten danach richten muss, was die Jury gerne hätte, nur damit ich einen Preis bekomme, wie frei bin ich dann?

Der Abkehr der Künstler von den Auftraggebern war wichtig: denn (für mich) begann erst da die KUNST.

Und so will ich es denn halten, meine Kunst schaffen, und die Kohle, ach ja, die erjobbe ich mir anderweitig. Bloß: mit meinem Geld öffentliche Kunstevents finanzieren (wie es eine Teilnahme bei "Bewegter Wind" vorsieht), das spare ich mir gewiss.

Wer hat also einen Nachteil, wenn ich mein eigenes Kunstding mache? Die kunstinteressierte Öffentlichkeit, Städte und Kommunen, Unternehmen, die sich alle gerne mit (für sie) kostenfreie (oder unternehmensdeutsch: kostenneutrale!) Kunst schmücken.

Ach ja, wenn die Künstler geschlossen den Karotten der schönrednerischer Bauchpinselei und des Schulterklopfens den Rücken kehren würden, ja dann... würde die Öffentlich schnell kapieren, was wir momentan so alles "kostenneutral" leisten...

Letztendlich mündet mein Vorschlag also in einen Streikaufruf - ein Gewerkschaftern eigentlich nahestehendes Thema, mit dem ich bei Künstler aber durch die Bank auf (verneinendes) Kopfschütteln und Ablehnung stosse (wie z. B. auf meinen Vorschlag hin, den Kunstpavillon in München (www.kunstpavillon.org) als Ausstellungsort zuzusperren und stattdessen als Ort des Kunstschaffens (also: gemeinsames Atelier) zu nutzen).

Warum sind Künstler gegen solch drastische Vorschläge? Weil Streik bedeutet, dass uns keiner wohlwollend auf die Schulter klopft und uns für unser Engagement lobt?

Na, dann machen wir doch einfach weiter so wie bisher!

Viele Grüße aus München,
Karin Soika


04 Februar 2008

Kunst und Geld - FINAL

Bin durch mit dem Thema "Kunst und Geld". Habe nun über 6 Monate darüber nachgedacht (oder noch länger?) Anyway. Letzte Woche endlich die restlichen Texte auf Englisch veröffentlicht (http://www.soika.com/links/archiv/texte/08d_wasistkunst.htm).

Kunst ist kein Brotberuf. As simple as that.