19 Oktober 2007

Verbohrtheit & Scham

zwei Dinge erstaunen mich:
  • die absolute Verbohrtheit, mit der Künstler sich an die Hoffnung klammern, doch noch entdeckt zu werden und ausreichend Geld mit Kunst zu verdienen; und dass sie bis dahin wie die Lemminge alle zur Verfügung stehendem Mittel & Vermögenswerte einsetzen, um zu überleben. Es erinnert mich fatal an Unternehmer, die eigentlich pleite sind, aber trotzdem weiterwurschteln.
  • dieses absolute Schamgefühl, das Gefühl eine "persönliche Niederlage" einzugestehen, wenn sie zugeben, dass sie doch noch einen zweiten (Brot-)Beruf haben, um über die Runden zu kommen.
Wäre die Prämisse: "Mit Kunst ist kein Geld zu verdienen." (was meiner Ansicht  nach tatsächlich der Fall ist: der SINN des Kunstschaffens liegt im allein Schöpferischen an sich, und eben nicht im "Geld verdienen".), dann bräuchte sich keiner zu schämen, der kein Geld damit verdient, und es wäre normal, als Brotberuf eine andere Tätigkeit auszuüben.

Wenn ich jetzt Analogien bilde, fallen mir folgende ein:
  • Spitzensport: dort geht es auch um die Sache; nur sehr, sehr wenige verdienen wirklich gutes Geld mit ihren Werbeverträgen; wohl keiner beginnt den Sport mit der Absicht, davon "reich" zu werden
  • Kinder kriegen -zugegebenermassen eine gewagte Analogie - aber analog zum Kunstschaffen im Sinne der Schöpferkraft. Welche Eltern zeugen ihre Kinder um eines Tags "gut von ihnen leben zu können"?!


15 Oktober 2007

Kunst Messe München

Gehe mit einem befreundeten Galeristen über die Kunst Messe. Er kennt viele der Aussteller. "Das da ist einer der Großverdiener" erklärt er mir bei einem. Der vertritt nämlich gut gemachte Dekoware.

Da ist er also, der Begriff, nach dem ich schon lange suche. Denn, ja, es gibt Bilder, die sind künstlerisch völlig uninteressant, schauen aber nett aus, sind handwerklich solide gemacht, treffen den Publikumsgeschmack (bzw. den Geschmack einer geldigen Klientel, die ansonsten wenig Ahnung hat) – und verkaufen sich prima.

Gut gemachte Dekoware eben. Mmh.


11 Oktober 2007

Freie Kunst als Brotberuf?

Vor ein paar Tagen fragte "Der Stern" bei der Fachgruppe Bildende Kunst in Verdi an, ob ein Künstler bereit sei, sich für eine Gehaltsumfrage bei Selbstständigen mit Namen und EK 2005 öffentlich nennen zu lassen. Ich hatte mir für einen Moment überlegt, ob ich mich melden soll. Dann die Idee aber verworfen, denn: Ist das der "wichtigste" Punkt an meinem künstlerischen Schaffen: die materielle Armut, die damit einhergeht?

Den Frust mit "keine Kohle" schiebe ich natürlich auch. Seit April (Messeteilnahme in Köln, ausser Spesen (quasi) nix gewsen), in einem Ausmaß, dass ich noch nicht mal mehr groß Lust zum Malen hatte. Dafür habe ich aber über das Thema intensiv nachgedacht. Das Resultat sind zwei Texte:
Ich habe dabei auch verschiedene Webforen studiert - welche Erfahrungen machen Künstler zum Thema "Geldverdienen mit Kunst" so? Mein Fazit: daraus und aus meine eigenen Überlegungen und v. a. Erfahrungen: mit freier Kunst (und darunter verstehe ich:  ich-male-was-mir-Spass-macht/mich-interessiert) kann man kein Geld verdienen. Es ist eine Realität. Noch nicht einmal die Vorzeigekünstler in Sachen Geld wie Daniel Richter etc. machen eine Ausnahme: die malen doch längst nicht mehr was-ihnen-wirklich-Spass-macht - sondern: was-der-Markt-will und folgen somit Sachzwängen.

Vielleicht ist einfach diese Grundprämisse falsch: mit freier Kunst gäbs Geld zu verdienen.

Wenn man sich jetzt darauf einigt, dass diese Grundprämisse tatsächlich falsch ist: ist es dann nicht eine Unverantwortlichkeit, dass einem das NIEMAND sagt? Dass niemand zu einem Studienanfänger an der Akademie sagt: "Hey, wir finden es gut, dass du Kunst studieren willst. Tu es auf jeden Fall! Mach dir aber bitte auch klar, dass du mit wirklich freier Kunst quasi kein Geld verdienen wirst. Deswegen legen wir dir ans Herz: lerne entweder vorher oder parallel zu deinem Studium auch noch einen "Brotberuf."

So eine Ansage wäre ein verantwortlicher Umgang mit der Realität. Indem es aber keiner sagt, schiebt jeder seinen privaten Frust und denkt, es läge an ihm. An mangelnder Professionalisierung, an mangelndem unternehmerischen Denken, am "System". Selbst die Statistik der KSK verleitet zu falschen Schlüssen, denn in der Sparte "B03" sind ja neben Malern und Zeichnern auch die Grafiker. Und letztere verdienen teilweise richtig Geld - und reissen so den Durchschnitt noch nach oben. Mit wirklich freiem Malen und Zeichnen verdient man doch     nichts. Und da es alles so geht, ist es offenbar ganz normal.

Freie Kunst ist kein Brotberuf.