Vor ein paar Tagen fragte "Der Stern" bei der Fachgruppe Bildende Kunst in Verdi an, ob ein Künstler bereit sei, sich für eine Gehaltsumfrage bei Selbstständigen mit Namen und EK 2005 öffentlich nennen zu lassen. Ich hatte mir für einen Moment überlegt, ob ich mich melden soll. Dann die Idee aber verworfen, denn: Ist das der "wichtigste" Punkt an meinem künstlerischen Schaffen: die materielle Armut, die damit einhergeht?
Den Frust mit "keine Kohle" schiebe ich natürlich auch. Seit April (Messeteilnahme in Köln, ausser Spesen (quasi) nix gewsen), in einem Ausmaß, dass ich noch nicht mal mehr groß Lust zum Malen hatte. Dafür habe ich aber über das Thema intensiv nachgedacht. Das Resultat sind zwei Texte:
Ich habe dabei auch verschiedene Webforen studiert - welche Erfahrungen machen Künstler zum Thema "Geldverdienen mit Kunst" so? Mein Fazit: daraus und aus meine eigenen Überlegungen und v. a. Erfahrungen:
mit freier Kunst (und darunter verstehe ich: ich-male-was-mir-Spass-macht/mich-interessiert)
kann man kein Geld verdienen. Es ist eine Realität. Noch nicht einmal die Vorzeigekünstler in Sachen Geld wie Daniel Richter etc. machen eine Ausnahme: die malen doch längst nicht mehr was-ihnen-wirklich-Spass-macht - sondern: was-der-Markt-will und folgen somit Sachzwängen.
Vielleicht ist einfach diese Grundprämisse falsch: mit freier Kunst gäbs Geld zu verdienen. Wenn man sich jetzt darauf einigt, dass diese Grundprämisse tatsächlich falsch ist: ist es dann nicht eine Unverantwortlichkeit, dass einem das NIEMAND sagt? Dass niemand zu einem Studienanfänger an der Akademie sagt: "Hey, wir finden es gut, dass du Kunst studieren willst. Tu es auf jeden Fall! Mach dir aber bitte auch klar, dass du mit wirklich freier Kunst quasi kein Geld verdienen wirst. Deswegen legen wir dir ans Herz: lerne entweder vorher oder parallel zu deinem Studium auch noch einen "Brotberuf."
So eine Ansage wäre ein verantwortlicher Umgang mit der Realität. Indem es aber keiner sagt, schiebt jeder seinen privaten Frust und denkt, es läge an ihm. An mangelnder Professionalisierung, an mangelndem unternehmerischen Denken, am "System". Selbst die Statistik der KSK verleitet zu falschen Schlüssen, denn in der Sparte "B03" sind ja neben Malern und Zeichnern auch die Grafiker. Und letztere verdienen teilweise richtig Geld - und reissen so den Durchschnitt noch nach oben. Mit wirklich freiem Malen und Zeichnen verdient man doch nichts. Und da es alles so geht, ist es offenbar ganz normal.
Freie Kunst ist kein Brotberuf.