21 September 2007

Ist Kunst Luxus? II

Kunst ist kein Luxus.

Aber künstlerische Selbstinszenierung ist es schon. :-)


Subversiveness

Eine interessante Frage: würdest du, KünstlerIn, auch noch dieselbe (künstlerische) Aussage machen, wenn du dafür Strafe riskiertest? Also: was hast du der Welt eigentlich zu sagen - und wie wichtig ist dir diese Aussage?

Ich glaube, da würde plötzlich ganz schön viel Hobbykunst flachfallen. Niemand riskiert seinen Hals für heiße Luft.

Das einzige, was es heute (im Vergleich z. B. zum Arbeitsverbot wegen "Entartung" während dem Nazi-Regimes) hier gibt, ist Deprivation von Lob und Geld.

Vielleicht ist da heute der Test für Wahrhaftigkeit: bleibst du bei deiner (künstlerischen) Aussage, auch wenn du dafür - möglicherweise bis zu deinem Ableben - ignoriert wirst?

Denke zurück an die Tease Art Fair (April 07 in Köln), wo einige Künstler wirklich extremsten Aufwand mir ihrer Präsentation getrieben haben, u. a. wohl um Aufmerksamkeit zu erregen. Der Punkt ist doch dann irgendwann dass sich die Gewichtung verschiebt: hin zu einer Aussage, die um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlt - und weg von MEINER Aussage. So wird schliesslich das Publikum zum zentralen Element, weil es die Macht hat, Anerkennung auszusprechen, das sich ggf. später sogar in Geld verwandelt..

Wer von den "big heads" würde seine Arbeit auch in völliger Ignoranz durch das Publikum weiterführen? Beuys, Gerhard Richter, Robert Rymann, Cy Twombly, Agnes Martin ganz sicher.

Aber Hirst? Nur er mit seinem dämlichen Schädel im stillen Kämmerchen, ganz allein für sich?

Subversiveness - als Vorstufe von künstlerischer Autarkie... Ich glaube, das ist ein ganz wichtiges Kriterium: Unabhängigkeit vom "Topp!" und "Flop!" des Publikums. Unabhängigkeit in seiner eigenen Wertschätzung.

Und wenn man auf diese Weise unabhängig ist, wird das Ausstellen und auch das Verkaufen) irgendwann wirklich: EGAL.


20 September 2007

Kunst ist... II

Kunst ist: etwas zu sagen haben. Etwas sagen.

Im Kunstmarkt ist vieles nur heiße Luft. Kunst und künstlerische Aussage bedeutet, etwas kapiert zu haben, und es auszudrucken. Inwieweit ist das Publikum, der Adressat für solch eine Aussage wichtig? Ich glaube tatsächlich: sekundär (sorry, Publikum!)

Für mich selbst ist die Erkenntnis wichtig. "Mit Malen Geld Verdienen" geht nur, wenn man seine Statements immer wieder massentauglich wiederholt. Ist vielleicht wie: angewandte Wissenschaft (=Kunstmarkt) vs. freie Forschung.

Echte, gute Kunst in Galerien gibt's schon auch. Aber die ist dann tatsächlich: eine Entdeckung des Galeristen. Wie aus einer dunklen Höhle hervorgezogen...


Kunst ist...

Kunst ist das, was ein Mensch für sich selbst macht, wer er/sie es gut findet. Für einen selbst eben. Egal, ob es sonst wem gefällt, das erzeugt eine große innere Befriedigung.

Michelangelo Antonini "Kunst? Kunst gibt es gar nicht. Es gibt dieses Gemälde und dieses, es gibt dieses Musikstück, einfach nur das Werk" (aus einem Gespräch mit Herbie Hancock)

Es sind Dinge. Der Rest ist: Mensch sein – Dinge tun. Die Welt gestalten...

Ich male. Fertig. Manchmal mache ich auch andere Dinge. Aufräumen. Kochen. Nachdenken. Schreiben. Wieso soll dies "Schlechter" sein als Malen? Beuys war Politiker. Und sprach in künstlerischen Zeichen. Ich glaube, er hätte dieselben dinge auch für sich allein, für sein kleines Kämmerchen gemacht.

das Publikum ist so... irrelevant. Geld verdienen kann man irgendwie. Ich fände es für mich wohl ausgesprochen blöd, es malend zu tun. Malen für ein Stück Brot, Bild für Bild, für mein tägliches Brot... grauenhaft. (ich weiß mir viel abwechslungsreichere Arten, Geld zu verdienen).

Vielleicht sehe ich das momentan alles so easy, weil ich mich... geliebt!... fühle.


Galeristen & Kunstmarkt

Kunstmarkt. Es ist ja ein Markt. Vielleicht kann man den Stolz des Galeristen vergleichen mit dem eines kleinen Jungen, der den anderen kleinen Jungen seine abgefahrenen Matchboxautos vorführt. Diesen Entdeckerstolz. Dieser Stolz eines Sammlers, der die Inhalte seines Schatzkästleins zeigt. Lauter kleine Juwelen... Habe ich alles selbst entdeckt...

Vorauswahl, Exklusivität... ART BUSINESS... (Dieser Damien-Hirst-Schädel
(Link) hat mir wirklich das Kraut ausgeschüttet....)

Außerdem ist die Galeristen-Kunst nicht repräsentativ. Diese ist die sichtbare Kunst, und als solche nur ein Bruchteil, ein kleiner Teil, eben der Markt-sichtbare Teil. Tatsächlich gemacht wird aber sehr viel mehr.


Kunstmarkt

Open Art (http://www.openart.biz). Freitag abend organisiere ich einen Vernissagenrundgang mit Freunden. Im Kunst-Kraft-Werk fällt mir eine Kollegin begrüßenderweise um den Hals, und flötet: "Bin ja so im Stress. Ich mache Ausstellungen, Ausstellungen und noch mehr Ausstellungen".
Ich stelle gar nicht aus. Es interessiert mich momentan herzlich wenig.

Ich erinnere mich gut an meine Euphorie über mein Bild in der Phoenix Gallery in New York, 2000 war das. Und jetzt: hinge eines im KKWerk, ginge mich das ziemlich am A. vorbei.
Was ist passiert?

Was ist eigentlich der Punkt am Kunstschaffen? Nicht: das Ausstellen. Nicht: das Verkaufen (war diese Woche auch noch auf einer Bürovernissage - alles war "zu verkaufen". Malen wir tatsächlich nur deshalb?)

Um das Kunst-SCHAFFEN geht es. Die uralte Diskussion aus der Cafeteria der Art Students League fällt mir wieder ein. Was denn jetzt das "Problem" bei einem Bild sei: es zu malen -- oder es zu verkaufen. Meine Argumentation damals (1994): es zu malen! Denn sonst wäre das einzige Problem, das ein Hirnchirurg hätte, ja auch: Patienten zu finden - und nicht der Job an sich.

Allmählich (bei Durchschreiten von mehr und mehr Ausstellungen) denke ich mir: verkaufen, ausstellen, das ist so ein erniedrigendes Betteln um Liebe. Dieses Fitzelchen von Berühmtheit, das man spürt, wenn man sein Bild an einer Galeriewand hängen sieht. So à la "Also ist es doch gut, was ich getan habe. Also bin ich doch ein wertvoller Mensch."

Heut weiß ich, dass man 1. ohnehin so gut wie alles ausstellen kann (so viel zur Qualität; schlimmstenfalls bezahlt man eben für die Ausstellungsteilnahme), und 2., dass die Ausstellungsangebote mit ein wenig Netzwerken quasi explodieren (siehe mein Jahr 2006).

Insofern bedeutet das Ausstellen erst einmal gar nichts, höchstens, dass ich meine urpersönliche Werbetrommel korrekt bediene, gut netzwerke und organisiere, und leidlich gute Kunst mache.

Und ansonsten hat sich meine Phoenix Euphorie von 2000 in die "Ist Kunst Luxus?"-Ernüchterung gewandelt...