Subversiveness
Eine interessante Frage: würdest du, KünstlerIn, auch noch dieselbe (künstlerische) Aussage machen, wenn du dafür Strafe riskiertest? Also: was hast du der Welt eigentlich zu sagen - und wie wichtig ist dir diese Aussage?
Ich glaube, da würde plötzlich ganz schön viel Hobbykunst flachfallen. Niemand riskiert seinen Hals für heiße Luft.
Das einzige, was es heute (im Vergleich z. B. zum Arbeitsverbot wegen "Entartung" während dem Nazi-Regimes) hier gibt, ist Deprivation von Lob und Geld.
Vielleicht ist da heute der Test für Wahrhaftigkeit: bleibst du bei deiner (künstlerischen) Aussage, auch wenn du dafür - möglicherweise bis zu deinem Ableben - ignoriert wirst?
Denke zurück an die Tease Art Fair (April 07 in Köln), wo einige Künstler wirklich extremsten Aufwand mir ihrer Präsentation getrieben haben, u. a. wohl um Aufmerksamkeit zu erregen. Der Punkt ist doch dann irgendwann dass sich die Gewichtung verschiebt: hin zu einer Aussage, die um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlt - und weg von MEINER Aussage. So wird schliesslich das Publikum zum zentralen Element, weil es die Macht hat, Anerkennung auszusprechen, das sich ggf. später sogar in Geld verwandelt..
Wer von den "big heads" würde seine Arbeit auch in völliger Ignoranz durch das Publikum weiterführen? Beuys, Gerhard Richter, Robert Rymann, Cy Twombly, Agnes Martin ganz sicher.
Aber Hirst? Nur er mit seinem dämlichen Schädel im stillen Kämmerchen, ganz allein für sich?
Subversiveness - als Vorstufe von künstlerischer Autarkie... Ich glaube, das ist ein ganz wichtiges Kriterium: Unabhängigkeit vom "Topp!" und "Flop!" des Publikums. Unabhängigkeit in seiner eigenen Wertschätzung.
Und wenn man auf diese Weise unabhängig ist, wird das Ausstellen und auch das Verkaufen) irgendwann wirklich: EGAL.


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